Zwei junge Männer, 26 und 27 Jahre alt, sitzen über technischen Zeichnungen und tüfteln an ihrem eigenen, innovativen Produkt: dem E-Buddy. Was nach coolem technischen Schnickschnack für junge, mit ihrem Smartphone verwachsene Leute klingt, entpuppt sich als etwas ganz anderes. Beim E-Buddy handelt es sich nämlich um ein Produkt für eine – normalerweise – etwas ältere Käuferschicht.
„Der E-Buddy ist ein Rollator mit elektrischem Antrieb. Er unterstützt seinen Benutzer, ähnlich wie ein E-Bike den Fahrer unterstützt. Wenn der elektrische Antrieb aktiviert wird, muss der E-Buddy fast nicht mehr geschoben werden. Wenn’s bergauf geht, zieht er den Benutzer quasi mit und wenn’s bergab geht, bremst er, damit er nicht schneller fährt als gewollt“, erklärt Max.
Max ist einer der beiden jungen Erfinder. Er hat Mechatronik studiert, was laut ihm die beste Wahl war, um ein solches Produkt zu entwickeln. Aus der Kombination von Elektronik, Mechanik und Software entwickelt er mit seinem Kumpel Daniel den E-Buddy. Daniel hingegen hat Maschinenbau studiert und ist in erster Linie für die Bereiche der Produktionsplanung, der fertigungsgerechten Konstruktion und der Kostenrechnung zuständig.
Produkt mit Weitblick
Der E-Buddy soll älteren Menschen helfen. Foto: TTI GmbH – TGU e-buddy
Der E-Buddy kann aber nicht nur mit elektrischem Antrieb seinem Benutzer helfen, er kann zudem noch mit einem Tablet zur Bedienung ausgestattet werden und sorgt durch eine eingebaute Beleuchtung für höhere Sicherheit. Für einige der heutigen Rollatorbenutzer dürfte die Bedienung per Tablet vielleicht noch ungeeignet sein, aber Max und Daniel glauben, dass auch diese Funktion in der Reha oder bei jüngeren Patienten, die zum Beispiel an Parkinson erkrankt sind, Anklang finden wird. Insgesamt beweisen die beiden Jungs mit dem E-Buddy Weitblick und scheinen die Bedürfnisse einer immer älter werdenden Gesellschaft gut im Blick zu haben.
Auch der englische Name des Produkts hat den beiden einiges Kopfzerbrechen bereitet: „Über den Namen haben wir uns lange Gedanken gemacht. Wir gehen davon aus, dass die meisten Rollatorbenutzer mit dem Namen zurechtkommen werden“, erzählt Max. Außerdem sei der englische Name im Hinblick auf einen Vertrieb außerhalb des deutschsprachigen Raums sinnvoller.
Bei der Entwicklung eines solchen Produkts samt englischem Namen und Bedienungs-Tablet muss man natürlich mit den potentiellen Benutzern in Kontakt treten. „Wir arbeiten mit verschiedenen Kliniken in Stuttgart zusammen und testen unser Produkt dort. Auch ein Seniorenwohnheim in Stuttgart ist Kooperationspartner für Tests. Es ist in der Tat sehr wichtig, dass wir genau wissen, welche Anforderungen die zukünftigen Benutzer an das Produkt haben“, erklärt Max.
Daniels Oma – die Ideengeberin
„Natürlich hatte ich zu Beginn des Studiums nicht gedacht, dass ich irgendwann mal Rollatoren entwickeln würde“, sagt Max. Vermutlich wäre er in die Logistik oder die chemische Industrie gegangen. Wenn Daniels Oma nicht gewesen wäre. Denn diese kann man als die Motivation hinter dem innovativen Projekt betrachten. „Daniels Familie wohnt auf der Schwäbischen Alb und seine Oma hat ein Haus oberhalb eines Dorfs am Hang. Sie hatte Probleme, mit ihrem Rollator ins Dorf zum Einkaufen zu fahren und war daher oft auf Unterstützung aus der Familie angewiesen. Dies war zu der Zeit, als E-Bikes sich gerade rasant verbreiteten und so kamen wir schnell auf die Idee, einen elektrischen Rollator zu bauen“, erzählt Max.
So begannen Max und Daniel vor zwei Jahren noch während des Studiums mit der Entwicklung des E-Buddy. Und allem Anschein nach findet ihr Projekt Anklang: Seit Anfang des Jahres bekommen sie das EXIST-Gründerstipendium, den Klassiker für Existenzgründungen noch während der Studienzeit. Zusätzlich werden sie von der Universität und von ihrem potentiellen Industriepartner unterstützt. Von ihren Kommilitonen wurden sie zunächst oft belächelt für ihre Idee, aber „nachdem sich erste Erfolge eingestellt haben und das Produkt konkreter wurde, bekamen wir deutlich mehr Anerkennung. Produkte und Dienstleistungen für die alternde Generation sind ein Zukunftsmarkt“, fasst Max die Entwicklung des Projekts zusammen.
Der Marktstart des E-Buddy ist im nächsten Jahr geplant und noch ist nicht klar, wie er auf dem Markt ankommen wird. Wenn alles gut läuft, ist Daniels Oma sicherlich die erste, die mit dem E-Buddy durch die schwäbische Alb flitzt. Klar dürfen die Jungs die wirtschaftliche Komponente bei ihrem Projekt nicht aus den Augen verlieren, aber für Max ist auch eine gehörige Portion Idealismus dabei: „Rollatoren sind vielleicht nicht das coolste Produkt, aber man hilft damit Menschen, was für uns auch eine Motivation ist.“



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