Grafik: Ronny Pietsch

Kunst und Kultur sollte für jeden zugänglich sein. Aber sollte sie auch für jeden kostenlos zugänglich sein? Während Laura durchaus dazu bereit ist, weiter Geld für ihre Theater- und Museumsbesuche zu zahlen, findet Benjamin, dass es langsam Zeit wird, Kunst gratis anzubieten.

Pro: Benjamin

Museen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Zu jeder Thematik gibt es irgendwo in Deutschland mindestens ein Museum. Da ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei. Jedoch ist der Museumseintritt meist nicht gerade günstig. Der Preis für eine Tageskarte für das deutsche historische Museum in Berlin liegt beispielsweise bei 8 Euro. Der Eintritt in das Grüne Gewölbe Dresden bei 12 Euro. Ein Tagesticket für die Pinakothek in München kostet ebenfalls 12 Euro. Das ist meiner Meinung nach eine Menge Geld für einen Museumsbesuch.

Viele Leute sind natürlich gern bereit, für eine tolle Ausstellung auch etwas mehr Geld auszugeben. Das sind aber vor allem die Menschen, die sowieso interessiert sind an kulturellen Themen. Was ist aber mit denen, die nicht unbedingt einen Museumsbesuch als Freizeitaktivität auf dem Schirm haben? Um die Inhalte auch an diese Menschen weiterzutragen und sie dafür zu sensibilisieren, dass Museen nicht langweilig sein müssen, wäre ein freier Eintritt sicher sinnvoll. Denn zu dieser Erkenntnis kann man nur gelangen, wenn man auch mal ein Museum besucht hat. Außerdem gibt es ja sicher auch einige, die vielleicht gern ein Museum besuchen würden, sich die oft hohen Eintrittspreise jedoch nicht leisten können. Jeder sollte meiner Meinung nach den gleichen Zugang zu Kultur erhalten. Finanziell schwächer Gestellte sind aber davon oft ausgeschlossen.

Natürlich ist das Betreiben eines Museums nicht gerade billig. Alles, von der Anschaffung und Pflege der Exponate, der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Themen bis hin zum Wachpersonal, kostet Geld. Hier sollte der Staat jedoch verstärkt eingreifen. Im Artikel 27 der UN-Menschen-rechtskonvention heißt es, dass jeder das Recht habe, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen. Wenn der Museumsbesuch als Teilhabe am kulturellen Leben aufgefasst wird, erkennt man denen, die sich den Eintritt nicht leisten können, dieses Recht quasi ab!

Es ist eine klare Aufgabe der Politik, für die Einhaltung der Menschenrechte einzustehen. Aus diesem Grund wäre es nur konsequent, einen Museumsbesuch kostenlos anzubieten! In Großbritannien beispielsweise, ist der Eintritt in den meisten Fällen frei. Am Ausgang steht eine Spendenbox und jeder, der möchte und es sich leisten kann, wirft dort etwas Geld hinein. Für die restlichen Kosten kommt der Staat auf. In meinen Augen ein faires System. Deutschland könnte sich von dieser Herangehensweise ruhig eine Scheibe abschneiden.

Contra: Laura

„Was nichts kostet kann auch nichts wert sein.“ Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Am Häufigsten kam er wohl aus dem Mund meiner Freunde. Ist der Eintritt zu einer kulturellen Veranstaltung frei, assoziieren sie damit oft mindere Qualität. Die Allgemeinheit scheint der Überzeugung zu sein, dass nur das gut ist, was sich monetär vergüten lässt.

Versteht mich nicht falsch, ich freue mich als arme Studentin über jeden gesparten Euro. Trotzdem denke ich, dass der Eintritt in Museen und Theater nicht grundsätzlich frei sein sollte. Ja, niemandem sollte die Chance auf Kultur und Bildung entgehen. Aber dafür gibt es in den meisten Fällen Ermäßigungen für Schüler, Studenten, Senioren und Sozialhilfeempfänger. Wer wenig Geld hat, darf weniger zahlen.

Denn: Wer soll das kostenlose Kultur- und Bildungsprogramm für alle bezahlen? Ausstellungen und Veranstaltungen bedeuten für Künstler und Organisatoren weit mehr als zum Beispiel einfach ein paar Bilder an die Wand zu hängen. Materialkosten, Honorare für Referenten und Betriebskosten der Räumlichkeiten sind nur einige der anfallenden Kostenpunkte. Würden wir eine Art Kultursteuer erheben, um den freien Eintritt zu finanzieren, beißt sich die Katze selbst in den Schwanz – dann kann ich auch Eintritt für das zahlen, was ich wirklich erleben möchte.

In vielen Städten ist der Eintritt für manche Museen und Veranstaltungen an bestimmten Tagen oder für bestimmte Leute frei. Das finde ich gut. Ich gehe gern umsonst ins Theater, weil die Restkarten für Studierende umsonst sind und freue mich über 10 Euro mehr im Geldbeutel.

Ich bin aber auch gern bereit, Geld für das Erleben von Kultur zu bezahlen. Weil ich weiß, dass ich davon das Einkommen der Künstler und Organisatoren sichere, ohne die es das vielfältige Kulturangebot ja gar nicht gäbe. Weil ich weiß, dass ich damit – abgesehen vom Applaus oder einem netten Gästebucheintrag – ihre Arbeit schätze. Und nicht zuletzt, weil meine Freunde das Erlebnis auf diese Weise mehr wertschätzen. Weil sich bei vielen 10 Euro weniger im Geldbeutel bemerkbar machen – und weil das, was etwas kostet, scheinbar wertvoller ist.

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