Wem nutzt denn eigentlich die Globalisierung? Haben nur global agierende Unternehmen etwas von den zusätzlichen Märkten? Oder kommt sie auch den Armen zugute? Die Meinungen der Schekker-Autorinnen Vanessa und Katrin gehen bei diesem Thema auseinander.
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Pro: Vanessa Globalisierung als Ausweg aus Armut und als Chance auf Entwicklung? Angesichts lauter werdender kritischer Stimmen, die Globalisierung als Sündenbock für alle Missstände anprangern, werden viele bei dieser Frage den Kopf schütteln. Dabei gibt es einige Argumente, die selbst Globalisierungskritiker tüchtig ins Grübeln bringen sollten. Es stimmt, es gibt eine gewaltige Schere zwischen Arm und Reich. Aber ich halte es für falsch, die Schuld für diese Kluft alleine auf die Globalisierung zu schieben. Globalisierung bietet vor allem eins: Chancen! Und zwar auch für die ärmeren Länder. Die können vor allem über die Ausdehnung ihrer Exporte in die Industriestaaten von der Globalisierung profitieren. Zum Beispiel können sie Produkte wie exotische Früchte, Kaffee oder Tee exportieren – vorausgesetzt, die Industrieländer lassen sie. Denn oft werben jene für den Freihandel, aber wehren sich gegen ihn, sobald sie im Vergleich zu den Entwicklungsländern weniger wettbewerbsfähig sind, z.B. im Agrarsektor. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, so zeigt sich vor allem eins: Die Länder, die am globalen Handel nicht beteiligt waren – vor allem afrikanische Länder – sind arm geblieben. Gleichwohl ist seit 1980 die Anzahl der Menschen mit einer Kaufkraft von weniger als einem Dollar pro Tag um etwa die Hälfte gesunken. Umgekehrt lässt sich aber beispielsweise der Aufstieg Chinas mit der Öffnung der Märkte und damit der Abkehr von der staatlichen Planwirtschaft erklären. Dort lernen heutzutage mehr Schüler Englisch als es englische Muttersprachler gibt. Die so entstehende internationale Konkurrenz um Arbeitsplätze ist zugleich Zeichen einer wachsenden Chancengleichheit. Wenn nicht durch Globalisierung, wie sonst sollen die Ärmsten eine faire Chance auf Wohlstand, Integration in die Weltwirtschaft und folglich Verringerung der Armut erhalten? |
Contra: Katrin Singapur und Sri Lanka. Zwei Länder, die ich bereist habe und die nicht gegenteiliger hätten sein können. Das eine Verlierer, das andere Gewinner der Globalisierung. Singapurs Wirtschaft boomt und der Lebensstandard der Bevölkerung ist sehr hoch. Auf den Straßen Sri Lankas hingegen herrscht absolute Armut. Das sind nur zwei Beispiele für die Gegensätzlichkeit. Sie verdeutlichen aber, dass es zwischen beiden Ländern immer noch enorme wirtschaftliche und soziale Unterschiede gibt. Die Weltbankstatistik belegt, dass der Anteil der Weltbevölkerung, der unter der absoluten Armutsgrenze von weniger als 1,25 Dollar pro Tag und Kopf lebt, stark gesunken ist. Von 43,1% im Jahr 1990 auf 22,4% in 2008. Soweit so gut. Was ist aber, wenn China aus diesen Statistiken heraus genommen wird? Vor allem diesem riesigen Land ist der positive Trend in der Statistik zu verdanken, denn China gehört zu den Gewinnern der Globalisierung. Auf der Seite der Verlierer stehen vor allem Länder südlich der Sahara. Dort herrscht große Armut, beispielsweise im Kongo oder im Tschad. Nach wie vor bestimmt dort Gewalt und Korruption die Tagesordnung. Dank der Globalisierung können auch arme Länder Produkte aus dem Ausland beziehen, was auch in großem Maße geschieht. Leider sind diese Produkte häufig stark subventioniert, wie z.B. Nahrungsmittel. Deshalb können sie häufig um einiges preiswerter angeboten werden als regionale Erzeugnisse. Sehr zum Leidwesen der heimischen Bauern. Deren Produkte finden keinen Absatz mehr, da sie nicht mit den subventionierten Preisen mithalten können. Nicht genug, dass dies den Bankrott für viele Bauern bedeutet, diese Länder machen sich auch noch abhängig von unseren Erzeugnissen. Leicht dahin gesagt ist es auch, dass Globalisierung in den ärmsten Ländern Arbeitsplätze schafft. Dahinter steckt allerdings sicher nicht der Edelmut der Investoren. Alleiniges Ziel ist die Verringerung der Produktionskosten. Mit welchen Maßnahmen das dann oft vor Ort geschieht, ist bekannt: katastrophale Arbeitsbedingungen, schlechte Umweltstandards und viel zu geringer Lohn. |


