Die beiden Autoren
Grafik: Anja Nier

  Egal, ob neuer Pullover, Buch oder Kopfschmerztabletten – mit nur einem Klick bequem im Netz bestellt, haben wir die Waren oftmals schon am nächsten Tag im Briefkasten. Warum also sollten wir überhaupt noch in richtige Geschäfte gehen? Die Schekker-Autoren Julian und Jan diskutieren die Vor- und Nachteile des Onlinehandels.  

Pro: Julian

„Schrei vor Glück!“ – Während Kunden eines bekannten Onlineunternehmens laut Werbung vor Glück schreien, schreien immer mehr Einzelhändler aus Angst und Frust. Immer öfter hört man, der wachsende Online-Handel bedeute auf kurz oder lang das Ende des konventionellen Einzelhandels. Doch diese Hysterie, ist – wenn auch sicherlich nicht völlig unbegründet – doch übertrieben: Wir wären ganz schön pessimistisch, wenn wir nicht mehr daran glauben würden, dass Wettbewerb die Wirtschaft belebt und wir als Kunden davon profitieren können.

Nur die Ware haben Einzel- und Onlinehandel häufig gemeinsam. Die Beratungs- und Verkaufskanäle sind jedoch grundverschieden. Mit seinen neuen Vertriebswegen hat der Online-Handel eine zunehmende Bedeutung insbesondere für junge Kunden. Die Vorteile sind zahlreich und lassen sich im Wesentlichen auf drei Schlagworte verdichten: Bequemlichkeit, Information und Kostenersparnis.

Wer kennt es nicht: Draußen regnet es in Strömen, die Geschäfte schließen in wenigen Minuten und man braucht genau dieses eine Buch oder jenes Kleidungsstück. Wie komfortabel ist es, einfach den Laptop aufzuklappen und mit wenigen Klicks dafür zu sorgen, dass das gewünschte Produkt in zwei Tagen gut verpackt vor der Haustür liegt. Insbesondere auf dem Land erspart man sich so längere Autofahrten bis zur nächst größeren Stadt. Und es ist auch nicht gesagt, dass ich das gesuchte Produkt in der Stadt auch tatsächlich finde. Uns ist es somit möglich, auch in Zeiten eines streng getakteten Tagesablaufs fast jedes gewünschte Produkt zu erhalten.

Weiterhin besteht beim Einzelhandel der Nachteil, vom beratenden Verkäufer und den oft spärlichen oder kaum verständlichen Informationen zu Produkten abhängig zu sein. Die Weiten des Internets bieten hingegen die Möglichkeit, sich umfänglich über die Vor- und Nachteile eines Produkts zu informieren, es mit anderen zu vergleichen und Kundenmeinungen zu lesen. Dieses Plus an Information kann zu einer besser begründeten und durchdachten Kaufentscheidung führen. Neben der eigentlichen Wahl des Produkts kann der Konsument zudem die Preise bei verschiedenen Händlern vergleichen und die Ware dort bestellen, wo sie am günstigsten angeboten wird.

All diese Vorzüge haben den Online-Handel in den letzten Jahren rasant ansteigen lassen und setzen die konventionellen Einzelhändler mächtig unter Druck. Wer sich jedoch den sich wandelnden Marktbedingungen anpasst und Wert auf die eigenen Stärken wie persönliche Beratung und Kundennähe legt, wird auch weiterbestehen. In meinen Augen können sowohl der Online- als auch der Einzelhandel langfristig erfolgreich koexistieren.

Contra: Jan

Der Einzelhandel vor Ort – wir brauchen ihn tagtäglich: Zur Beratung, zum Stöbern, zum Kaufen. Vor allem ältere Menschen, die nicht mit dem Internet umgehen können, sind auf Geschäfte um die Ecke angewiesen. Und überhaupt: Wollen wir beim Kaufen nicht mit richtigen Menschen reden?

Als erstes muss man festhalten, dass die Internet-Shops einen unlauteren Vorteil haben: Denn viele Menschen informieren sich im Laden um die Ecke und kaufen dann billig im Internet. Damit profitieren sie von der Beratungsleistung vor Ort, ohne dies zu honorieren – auch wenn sie von dem Produkt überzeugt sind. Die Beratung aber ist eine Dienstleistung, die das Geschäft Geld kostet.

Sollen die Einzelhandelsgeschäfte dann Eintritt erheben? Das wäre natürlich völlig abstrus, aber unsere Wertschätzung sollte sich ändern: Eine gute und persönliche Beratung ist viel wert: Ein Buchhändler, der mir begeistert ein Buch empfiehlt, das er letzte Woche gelesen hat, ist mir wichtig. Eine kalte Empfehlung bei Amazon kann da nicht mithalten.

Oder mein Apotheker, der mich kennt: Er merkt, wenn meine Dosierung falsch ist und die Sprechstundenhilfe einen Fehler gemacht hat. Die Internetapotheke nicht. Er fühlt auch mit mir und wünscht gute Besserung. Im Internet kriege ich eine Rechnung. Er ruft mich auch an, wenn das Medikament zurückgerufen wird – noch am selben Tag. Das Internet macht das nicht.

Und wenn ich eines Tages alt und nicht mehr so mobil bin, möchte ich ins Geschäft bei mir im Ort gehen können. Gerade ältere Leute fallen leicht auf Tricks im Internet rein. Im Geschäft um die Ecke kennt man sich, spricht miteinander und haut den anderen nicht übers Ohr – weil man ihn ja morgen wiedersieht.

Wenn ich aber alles im Internet kaufe, selbst meine Lebensmittel, dann vereinsame ich. Im Netz bin ich anonym, rede mit niemanden und vermeide soziale Kontakte. Dann aber wird unsere Gesellschaft kälter. Die Menschlichkeit und das Miteinander können so Stück für Stück verloren gehen.

Deshalb fordere ich jeden auf, bewusst vor Ort zu kaufen. Das ist nur fair, weil die persönliche Beratung in jeder Hinsicht viel wert ist: Sie sorgt für Menschlichkeit im Kaufalltag. Zudem bin ich sicherer vor Betrug, vor Falschkäufen und ich werde als Mensch von Menschen wahrgenommen – das ist unschätzbar viel wert!