Immer mehr Menschen in den westlichen Industrieländern leiden unter Zivilisationskrankheiten. Doch was versteht man eigentlich darunter? Schekker stellt die verbreitetesten von ihnen hier vor.
Allergien
Jeder kennt jemanden, der eine Allergie hat. Heute reagiert fast ein Viertel aller Deutschen mit einer allergischen Reaktion auf Hausstaub, Tierhaare oder auch Nahrungsmittel. Dabei ist Heuschnupfen mit 17% am stärksten verbreitet. Noch in den 1920er Jahren litten gerade einmal 1-2% der Bevölkerung an Heuschnupfen. Ein Grund hierfür könnte die heute oft fehlende Stimulierung des Immunsystems im Kleinkindalter sein. Gerade Kinder, die in Großstädten aufwachsen oder deren Eltern die neuesten und härtesten Putzmittel nutzen, kommen kaum noch mit Keimen in Kontakt. So wird das Immunsystem auf viele natürliche aber harmlose Einflüsse nicht von Anfang an vorbereitet. Es folgt eine Überreaktion, die Allergie.
Behandelt werden kann sie durch Medikamenten oder auch durch eine langfristige Therapie bei einem Arzt.
Bluthockdruck
Wer unter zu hohem Blutdruck leidet ist
auf regelmäßige Medikamente
angewiesen. Foto: Rainer Sturm, pixelio.de
Hierbei handelt es sich um ein Symptom, das durch andere Zivilisationskrankheiten – wie zum Beispiel Übergewicht – hervorgerufen wird. So gilt als Faustregel bei Bluthochdruck, dass jedes Kilo Übergewicht den Blutdruck um 2 mmHg – das ist die Einheit zur Messung von Körperflüssigkeiten -in die Höhe treibt. Auch Rauchen begünstigt einen hohen Blutdruck, da die Blutgefäße verkalken. Alkohol kann durch seinen Einfluss auf die Herzschlagfrequenz den Druck zusätzlich erhöhen, genauso wie Stress.
Burn Out Syndrom
Die Existenz dieser Krankheit ist noch umstritten und kaum erforscht, da sie erst seit ziemlich kurzer Zeit bekannt ist. Aber die Symptome treten in den letzten Jahren in den Industrieländern immer häufiger auf. So sind heute nach Schätzungen 15-25% der Berufstätigen zumindest kurzfristig von ihr betroffen. Bei dem Burn Out Syndrom handelt es sich um eine Stresserkrankung. Gründe können zu viele Überstunden oder langes Arbeiten in der Nacht sein.
Symptome sind Kopfschmerzen, Magenprobleme und im schlimmsten Fall auch Depressionen. Eine Behandlung ist nur durch eine langfristige Umstellung der Arbeits- und Lebensbedingungen möglich. Auch Stressbewältigungstechniken und autogenes Training können helfen.
Erhöhter Cholesterinspiegel
Cholesterin ist ein lebenswichtiges Blutfett, das aber in zu hoher Konzentration die Blutgefäße verstopft. Infolgedessen kann es zu Bluthochdruck und Herzinfarkt führen.
Durch die heute oft mangelnde Bewegung und fettreiche Ernährung ist diese Krankheit erst entstanden. Im 19. Jahrhundert war sie noch gänzlich unbekannt. Behandeln kann man einen erhöhten Cholesterinspiegel durch mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung. In ernsteren Fällen können auch Medikamente helfen.
Depression
Etwa vier Millionen Deutsche sind von Depressionen betroffen. Dabei sind Frauen doppelt so stark gefährdet wie Männer. In den westlichen Industrieländern wird eine steigende Zahl von Depressionen verzeichnet, was aber auch an den verbesserten Erkennungsmethoden liegen könnte. Auch die Ursachen sind noch nicht ganz erforscht. Ein erhöhter Leistungsdruck schon im Kindesalter könnte heutzutage ausschlaggebend sein. Eine Therapie ist oft nur durch ärztliche Behandlung möglich.
Diabetes
Diabetiker müssen bei jedem
Nahrungsmittel auf den Zuckergehalt
achten. Foto: Knipseline, pixelio.de
Diabetes Typ 2, auch Altersdiabetes genannt, betraf ursprünglich nur ältere Menschen. Durch die starke Zunahme von übergewichtigen Jugendlichen gibt es aber auch immer mehr Betroffene unter 20 Jahren. Ist die Erkrankung erst einmal vorhanden, ist sie nicht mehr rückgängig zu machen. Durch eine gute medizinische Versorgung und eine Änderung des Lebensstils – mit gesünderer Ernährung und viel Bewegung – können nur schwere Folgeschäden vermindert werden.
Herzinfarkt und Schlaganfall
Früher waren sie eine Seltenheit, heute stirbt jeder zweite Deutsche an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sie sind Folge vieler Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und einem erhöhten Cholesterinspiegel.
Karies
Diese Infektionskrankheit ist die am weitesten verbreitete Zivilisationskrankheit. Über 95% der Erwachsenen leiden darunter. Hierbei spielen allerdings auch genetische Veranlagungen eine Rolle. So sind hellhäutige Frauen besonders häufig betroffen. Als Vorsorge dient nur eine gründliche Zahnpflege und der Verzicht auf zu viel Süßes.
Magersucht
Bloss nicht zu viel! Magersüchtige haben ein gestörtes Selbstbild.
Foto: Sigrid Rossmann, pixelio.de
Vor allem Mädchen in der Pubertät sind von dieser psychischen Erkrankung betroffen, die sich seit den 1970er Jahren immer weiter verbreitet. Wegen des damals entstehenden Schlankheitsideals versuchen immer mehr Mädchen diesem nachzueifern. Vermehrter Leistungsdruck verstärkt diese Tendenz noch zusätzlich. Die Betroffenen verweigern die Nahrungsaufnahme, treiben viel Sport und sind nur mit psychologischer Hilfe zu heilen.
Onlinesucht
Über Onlinesucht gibt es bis jetzt nur sehr wenige Erkenntnisse, da diese Erkrankung erst in den letzten Jahren entstanden ist. Schätzungen besagen aber, dass es ungefähr zwei Millionen Internetabhängige in Deutschland gibt. Vor allem junge Männer sind betroffen. Durchschnittlich verbringen sie 6-7 Stunden am Tag „im“ Internet und verspüren starke Entzugserscheinungen, wenn das nicht möglich ist. Eine einheitliche Therapie gibt es noch nicht.
Sehschwäche
Man geht davon aus, dass nur ein Zehntel der Sehschwächen schon bei der Geburt vorhanden sind. Die restlichen 90% entstehen im Alter. Es wird vermutet, dass Umstände wie Fernseher, Computer und vermehrtes Lesen sich auf die Augen auswirken könnten, da die Verbreitung von Sehschwächen in Entwicklungsländern sehr viel geringer ist als in den Industriestaaten.
Übergewicht
Jeder zweite Deutsche gilt als übergewichtig, jeder fünfte bis sechste als stark übergewichtig. Die wohl meist diskutierte Zivilisationskrankheit trifft inzwischen auch schon fast 2 Millionen Jugendliche. Ihr Ursprung liegt in mangelnder Bewegung und der übermäßigen, fett- und zuckerreichen Nahrung der westlichen Länder. Eine Behandlung ist nur durch eine langfristige Ernährungsumstellung und vermehrte körperliche Aktivität möglich.


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