Organspendeausweise liegen in vielen öffentlichen Orten aus. Foto: privat

Im Moment warten allein in Deutschland 12.000 Menschen auf ein Organ – doch nur ein Drittel davon erhält dieses lebensrettende Geschenk. Woran das liegt und warum eine einfache Unterschrift schon durchschnittlich drei Leben retten könnte, sagt euch Schekker-Autorin Vanessa.

Das gesunde Herz macht nur etwa 0,5 Prozent des menschlichen Körpergewichts aus, ein bisschen mehr als ein Päckchen Butter. Doch das Herz pumpt und pumpt und pumpt. Bis zu 113 Jahre und 283 Tage lang. Wenn wir 80 sind, haben sich unsere Herzklappen schon 3.363.840.000 Mal geöffnet und geschlossen. Tag für Tag hält uns der kleine Muskel mit seinem Rhythmus am Leben.

Mitmachen kann jeder

Wie schön wäre es doch, wenn mein Herz in einem anderen Körper weiterschlagen könnte, wenn ich längst nicht mehr lebe. Wenn ich es nicht mehr brauche, würde es nicht unter der Erde verwesen – ein anderer Mensch könnte weiterhin atmen, sehen, fühlen, angetrieben von meinem Herzen, das, sofern es gesund ist, länger durchhalten kann als die meisten Menschen leben.

Mit diesem Gedanken füllte ich mit sechzehn Jahren meinen ersten Organspenderausweis aus. Das ist der früheste Zeitpunkt, um eigenmächtig seine Bereitschaft zur Organspende zu erklären. Anders als in Österreich oder Spanien kommt man nicht automatisch beim Hirntod als Spender in Frage. In Deutschland müssen wir zu Lebzeiten ausdrücklich einer Spende zustimmen – sei es mündlich gegenüber Vertrauten oder durch das Mitführen eines Organspenderausweises. An vielen öffentlichen Orten wie Apotheken, Krankenhäusern oder Unis liegen Organspendeausweise aus, alternativ kommt man auch online an einen Ausdruck. Der völlig unbürokratische Akt funktioniert stressfrei und kann Leben retten. Mitmachen kann im Prinzip jeder.

Bestimmte Organe kann man von der Spende ausschließen. Manche geben beispielsweise ungern ihr Herz weg. Ich habe bei keinem Organ Bedenken und kurzerhand „JA, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden“ angekreuzt. Damit gebe ich aber meinen Körper nicht für wissenschaftliche Zwecke frei. Organspenden dienen einzig und alleine dazu, anderen Menschen die Chance auf ein neues Leben zu schenken.

Das meistgespendete Organ


Nieren gefällig? Die Niere ist das meistgespendete Organ in Deutschland. Foto: privat

Die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) koordiniert in Deutschland die Organspende. Laut DSO werden nicht Herzen, sondern Nieren am häufigsten gespendet: 2010 wechselten 2.150 Nieren ihren Besitzer, etwa 100 mehr als im Vorjahr. Was nach einem Lichtblick klingt, ist jedoch weit entfernt vom tatsächlichen Bedarf. Rund 8.000 Dialysepatienten warten derzeit auf eine Spenderniere und müssen etwa fünf bis sechs Jahre ausharren.

Am zweithäufigsten wird die Leber (1.114 Organe pro Jahr) gespendet, dann folgt in der Statistik… lange nichts. Auf Platz drei und vier liegen 393 Herz- und 298 Lungentransplantationen im vergangenen Jahr. „Das liegt unter anderem daran, dass die Organe vor der Transplantation auf ihre Funktionalität geprüft werden und nicht jedes Herz oder jede Lunge sich dafür eignet“, erklärt DSO-Pressesprecherin Birgit Blome. „Bei Nieren ist das anders. Auch Spender in hohem Alter können noch anderen Patienten helfen. Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel eine 93-jährige, die ihre Nieren erfolgreich gespendet hat. Außerdem hat jeder Mensch im Normalfall zwei davon.“ Wir können also auch schon zu Lebzeiten Organe spenden: Niere und Leber gehören dazu.

Das Thema Organspende in die Öffentlichkeit tragen


Nur jeder Vierte besitzt in Deutschland einen Organspendeausweis.
Foto: Vanessa Vu

Insgesamt warten momentan in Deutschland 12.000 Menschen auf ihren persönlichen Lebensretter. Im Jahr 2010 gab es aber nur 2.250. Um das zu ändern, arbeiten DSO, Bundesregierung, Kirchen und zahlreiche Stiftungen daran, die breite Bevölkerung aufzuklären und zur Organspende zu motivieren.

Die Politik reagierte im vergangenen Juni mit der sogenannten „Entscheidungslösung“. Die Idee: Jeder Bürger soll zumindest einmal im Leben unverbindlich mit der Frage konfrontiert werden, ob er Organspender werden möchte. Ein idealer Zeitpunkt wäre die Personalausweisausgabe. Ich finde den Ansatz gut, denn die wenigsten Menschen setzen sich zu Lebzeiten gerne aktiv mit ihrem Tod auseinander.

Mit der Entscheidungslösung allein wäre das Problem mit dem Spendermangel aber nicht gelöst: „Auch die Strukturen in der Organisation müssen verbessert werden. Leider funktioniert die Organspende nicht in allen Krankenhäusern, obwohl sie verpflichtet sind, uns über potenzielle Spender zu informieren. Teilweise werden aber Organspender nicht erkannt oder Organspenden aus Personalmangel nicht umgesetzt“, argumentiert Blome.

Einer für drei

Am wichtigsten aber bleiben die aktiven Befürworter. Gründe, eine Organspende zu unterstützen, gibt es viele: Wenn jede Hilfe zu spät kommt, wird es zu einem Akt der Menschlichkeit und Solidarität, selbst zu helfen. Im Zuge der EHEC-Welle mussten beispielsweise wieder Menschen auf die Warteliste für eine neue Niere gesetzt werden. Noch ein gutes Argument: Wer sich ohne Einschränkung als Spender zur Verfügung stellt, der hilft mit seinen Organen bei einer Spende im Durchschnitt drei Menschen. Und: Rein statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit größer, selbst ein Organ zu benötigen, als ein Organspender zu werden.

Ich jedenfalls möchte meinen Angehörigen im Falle meines Hirntods nicht noch die Entscheidung darüber aufbürden, was mit meinem Körper geschieht.

Und wie steht’s mit euch? Habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, ob ihr eure Organe im Falle eures Todes spenden wollt? Falls nicht, informiert euch bei der kostenlosen Hotline oder den folgenden Links.

Mehr Infos gibt’s unter der kostenlosen Hotline:
0800-9040400

Online könnt ihr euch hier informieren:
www.organspende-info.de
www.fuers-leben.de
www.dso.de

Kommentare

Vielleicht nochmal erörtern wo die Nieren liegen … das Bild gibt das nicht ganz so gut wieder. Mein Tip: Erstmal auf den Rücken drehen und mindestens 10 cm höher – es sei denn die Dame hat zwei Nierentransplantationen hinter sich, dann kann das sein das sie da unten sind …
Hallo ich würde auch meine niere lebend spenden weil ich weiß wie dreckig es solchen menschen geht ! hier ist meine e-mail [email protected]
Hallo, ich würde sehr gerne anderen Menschen durch eine Spende meiner Nieren ein leben mit vielen tollen Möglichkeiten bieten und möglich machen. Nur habe ich bedenken was meine Niere angeht. Ich besitze eine sogenannte "Hufeisen-Niere". Ist eine Spende dann überhaupt möglich?
Hallo! Ich beschäftige mich schon eine ganze Weile mit dem Thema. Eine Lebendspende wäre doch eigentlich das beste? Also ich war noch nie im Leben krank und würde dieses Glück gern teilen – heisst eine Niere spenden.
Hallo, schließe mich IoI an….die Nieren liegen ganz sicher nicht wie auf dem Foto zu sehen ist…. Also euren Spendemut und Edelmut in allen Ehren.Bitte laßt euch vorher "wirklich aufklären". Niemand verrät euch vorher was für Komplikationen bzw.Spätschäden und eingeschränkte Lebensqualität ihr danach habt. (z.b.Lebenslange extreme Müdigkeit,Antriebsschwäche,Labilität auch psychisch) Zudem zahlen die Krankenkassen im Fall eines Arbeitsausfalls nichts,sowie im Falle von postoperativer Krankheit oder in Folge von noch späteren Schäden Nichts….sowie solltet ihr selber aufgrund eurer so edlen Spende für die Menschheit eine Niere brauchen NICHTS. Sie gehen davon aus das es sich hier um eine Selbstverstümmelung handelt die aus freien Willen passierte und daher nicht von der KH getragen werden muß.Also wenn es mehr Spender geben sollte müsste sich zunächst auch jemand währenddessen und danach um den Spender kümmern.Der ja nun selber zum Patienten geworden ist.Es ist nicht leichtfertig damit umzugehen also ich emphele mit spendern sich darüber auszutauschen. Und bei der Personalausweisgabe finde ich das echt pervers die "Kinder "zu fragen ob sie ihre Organe spenden wollen den diese können die Auswirkungen für ihr Leben noch gar nicht wirklich überschauen.Medizinisch und wirtschaftlich gesehen verstehe ich diese Werbung und Propaganda natürlich schließlich gäbe das eine Menge "Frischfleisch". Ich denke ohne Volljährigkeit wird ei e solche Entscheidung hoffentlich nicht durchzubringen sein.

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K_t_strophe: