Jugend mit oder ohne Gott? Lien und Franka stellen sich die Glaubensfrage und gelangen zu unterschiedlichen Überzeugungen:
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Lien: Pro „Ich glaub an dich!“ Ein einfacher Satz meiner besten Freundin, der mir alle Sorgen und Ängste nimmt. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass jemand an einen glaubt. Es ist aber auch ein gutes Gefühl an jemanden oder etwas zu glauben. Warum? Mein persönlicher Glaube gibt mir Hoffnung und Halt. Ob ich nun an Gott oder Allah, Karma, meinen Glücksbringer oder aber an mich selbst glaube – dass spielt dabei keine Rolle. Im Duden steht unter „Glaube“ auch „Überzeugung“. Es geht also viel mehr um meine eigene Überzeugung, für die ich einstehe. Der Glücksbringer in der Matheklausur vermittelt mir den Glauben, dass ich die Klausur nicht „alleine“ durchstehen muss. Der Glaube an meinen Gott, lässt mich in schwierigen Zeiten Hoffnung schöpfen und positiv denken. Warum sollte also der Glaube für junge Menschen nicht mehr zeitgemäß sein? Für seine eigene Überzeugung und Ansichten einstehen zu können, ist doch gerade in unserer Zeit eine erstrebenswerte Eigenschaft. Außerdem vermittelt der Glaube ein Zusammengehörigkeitsgefühl. In den Weltreligionen kommen die Gläubigen zum gemeinsamen Gebet zusammen, ungeachtet ihrer Herkunft oder Schicht. Sie glauben alle an eine Sache. Gerade für ältere Menschen oder aber Menschen, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben, kann diese Gemeinschaft ein wichtiger Halt und eine Zuflucht sein. |
Franka: Contra Glauben klingt einfach, ist es aber nicht. Der Katalog an Religionen füllt sich immer mehr. Geschätzte 670 Glaubensrichtungen gibt es auf der ganzen Welt. Ob sich da noch jemand entscheiden kann, ist fragwürdig. Den Überblick verliert man leicht. Die Religionen überschneiden sich immer mehr und lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen. Schnittstellen sorgen immer öfter für Verwirrung und hinterlassen den Eindruck, dass es keinen wahren Glauben gibt. Als könne man sich die Wunschreligion zusammenstellen lassen – ganz nach dem Motto: Bei uns ist für jeden was dabei! Zwar gibt der Glaube vielen Menschen Halt, doch kann dies auch fanatische Ausmaße annehmen, wie religiös motivierte Terroranschläge belegen. Glaube erzeugt nicht nur Frieden! Im Namen des Glaubens werden auch Kriege geführt. Eine Religion, die Menschen dazu bewegt, andere umzubringen und zu verletzten, macht wenig Sinn. Wer soll das gutheißen können? Blindgläubigkeit und ein von kritiklosem Denken geleiteter Glaube, sind kein erstrebenswertes Ziel.Glaube ist nicht mehr zeitgemäß. Dem Glauben fehlt längst die Daseins-Berechtigung. Früher hatten die Kirchen und Religionen es sehr einfach: „Warum regnet es?“ – „Frag Gott!“ Gott war die Antwort auf alles, was sich nicht erklären ließ. Diese Aufgabe haben längst die Wissenschaften übernommen. Es gibt so vieles, was Chemie, Biologie, Physik oder Mathematik heute beweisen können. Die Fakten sprechen für sich! Der Glaube beantwortet uns einfach nicht die Fragen, die sich im Alltag stellen und verbreitet unzeitgemäße Ideale, die kaum jemand erfüllen kann. |


