Seit Februar 2011 twittert Regierungssprecher Steffen Seibert aus dem Kanzleramt. Immerhin rund 60.000 Menschen folgen aktuell seinem Twitter-Account. Screenshot: Anja Ringel

Angela Merkel auf deiner Neuigkeiten-Seite auf Facebook? Twittern mit Regierungssprecher Steffen Seibert, oder Bo, dem Hund der Obamas, zum Geburtstag gratulieren? Was vor ein paar Jahren noch undenkbar schien, ist heutzutage fast schon Standard geworden: Politiker pflegen ihre eigene Homepage und tummeln sich in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter.

Angefangen hat alles mit Barack Obamas Präsidentschaftswahlen im Jahr 2008. Der US-Amerikaner war der erste Politiker, der eine „Web-Kampagne“ in seinen Wahlkampf integrierte. So konnte man sich beispielsweise bei einem parteieigenen Netzwerk anmelden, um sich mit anderen Obama-Anhängern zu vernetzen. Der Politiker selbst hielt seine Anhänger mit Facebook- und Twitter-Nachrichten sowie einem Blog und YouTube-Videos auf dem Laufenden.

Deutsche Politiker im World Wide Web

Von Amerika ausgehend schwappte die Internet-Welle in den letzten Jahren dann auch auf deutsche Politiker über. Immer mehr Mitglieder der Bundesregierung haben neben einer eigenen Homepage auch Profile auf Facebook oder Twitter. Horst Seehofer überraschte die Öffentlichkeit Anfang Mai sogar mit der ersten Facebook-Party eines deutschen Politikers.


Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer lud als erster Politiker in Deutschland per Facebook zu einer Party ein. Screenshot: Anja Ringel

Laut einer Recherche der Internetseite wahl.de haben deutsche Politiker im Schnitt 1339 Fans auf Facebook und 768 sogenannte „Follower“ auf Twitter. Spitzenreiterin in Deutschland ist die Bundeskanzlerin mit aktuell 160.000 „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook. Aber auch ihre Kollegen können auf eine große Anhängerschaft im Netz zählen. So gefällt fast 9.600 Nutzern das Facebook-Profil von Horst Seehofer, während sein FDP-Kollege Philipp Rösler auf 5.700 und der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel auf 11.320 „Likes“ kommen.

Dass „Social Media“ bei den Politikern immer beliebter wird, belegt auch die Studie „Politiker im Netz“ von Wissenschaftlern der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2011. Diese zeigt, dass vor zwei Jahren immerhin schon 57 Prozent Soziale Netzwerke gelegentlich, acht Prozent auch häufig nutzen. 34 Prozent der Abgeordneten im Bundestag waren auf keinem Sozialen Netzwerk vertreten. Laut der Studie landete Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter zwei SPD-Abgeordneten auf Platz drei der aktivsten Nutzer Sozialer Medien.

Näher dran

Die Profile auf Sozialen Netzwerken ermöglichen es den Politikern, direkt mit den Bürgern zu kommunizieren. Diese sind auch potentielle Wähler, insofern ist das, was Politiker dort von sich preisgeben, auch nicht wirklich privat. Aber hier lassen sich Themen persönlicher und lebendiger platzieren, die nicht unmittelbar mit dem Politikgeschehen zusammenhängen.

Bayerns Ministerpräsident freute sich zum Beispiel via Facebook über den Einzug „seines“ FC Bayern München ins Finale der Champions-League und schrieb: „Bayern ist stolz auf seine Bayern. Finale dahoam. Ich werde sicher dabei sein und die Daumen drücken.“ Philipp Rösler hat auf seiner Seite ein Album „Schnappschüsse“, das ihn auch abseits der Fernseh-Kameras zeigt.


Auf der Facebook-Seite von Barack Obama konnten Fans dem Hund von Barack Obama zu seinem dreijährigen Amtsjubiläum als “First Dog” gratulieren. Screenshot: Anja Ringel

Und auch die Bundeskanzlerin verrät ein wenig mehr über sich: Man erfährt, dass sie am liebsten Bücher von Tolstoi und Dostojewski liest und dass Gartenarbeit zu ihren Hobbys gehört. Und US-Präsident Obama postete zum dreijährigen Amtsjubiläum des „First Dog“ Bo ein Foto von ihm und gab seinen Anhängern die Möglichkeit, dem Hund via Internet zu gratulieren.

„Twitterview“ mit „@RegSprecher“

Ganz nah dran am deutschen Politikgeschehen ist man seit Februar 2011 mit dem Twitter-Account „@RegSprecher“ von Steffen Seibert. Damit haben nun alle Bürger die Möglichkeit, den Regierungssprecher mit Fragen zu löchern. Dazu veranstaltet er immer wieder „Twitterviews“, also Interviews via Twitter. Maximilian Russ wollte beispielsweise wissen, ob die Kanzlerin zum Eurovision Song Contest nach Aserbaidschan eingeladen wurde. Keine vier Minuten später antwortete Seibert mit „Keine Einladung, keine Reisepläne.“

Trotz aller löblichen Bemühungen, das Netz für sich zu nutzen: Was Netzaktivitäten von Politikern angeht, so reicht der Regierungssprecher längst nicht an die Popularität des US-amerikanischen Vorbilds heran. Folgen rund 60.000 Menschen dem Twitter-Account von Steffen Seibert, sind es bei Barack Obama 14 Millionen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Kommentare

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel, sehr geehrter Herr Seibert, erlauben Sie mir ein paar Fragen zur Konsolidierung. Es wundert mich, daß die Regierung nicht in der Lage ist eine echte Schuldensenkung durchzufuehren. Bereits 1814 hat der Kurfürst von Sachsen das gleiche Problem gehabt. Er hat dies gelöst, in dem er die Vermögenden Firmen und Unternehmer zu einer "Konsolidierungsaaabgabe" verpflichtet hat. Bei dem BIP für Deutschland von ca. 35 Bill. Euro sollte es moeglich sein die Schulden soweit zurrueck zu fuehren, daß eine Tilgung moeglich und sinnvoll ist. Warum muß die Sozialhilfe herhalten, wenn auf der Seite der " Gewinner" die Steuern durch Steuervorteile so gesenkt werden, dass oft nichts geleistet wird.

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