Isabel arbeitet am Werktisch, daneben ein aufgeschlagener Werkzeugkoffer
Praxis hat sie in ihrem Job definitiv nicht zu wenig: Isabel ist Mechatronikerin. Foto: Polina Boyko

Als Mechatronikerin lernt Isabel Herzig nicht nur drei Berufe gleichzeitig, sondern gehört auch zu einem sehr kleinen Kreis von Frauen, die sich überhaupt für diesen anspruchsvollen Beruf entscheiden. Mit Schekker-Autorin Polina sprach sie über Technik und überraschend viel Kreativität.

Schrauben, Löten, Schleifen, Programmieren – vor zwei Jahren machte die 20-jährige Isabel Herzig im Süden Sachsen-Anhalts ihr Abitur. Schulmüde und praxishungrig entschied sie sich für die Ausbildung zur Mechatronikerin. „Da ich technisch schon immer sehr interessiert war, war es für mich der richtige Weg. Meine Eltern sind früher immer wahnsinnig geworden, weil ich schon als Kind alles immer auseinander schrauben wollte, um zu gucken, wie es funktioniert“, lässt Isabel ihre Entscheidung Revue passieren.

Den außerbetrieblichen praktischen Teil absolviert sie beim Bildungszentrum der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die in der Berufsschule und in den Lehrgängen am Bildungszentrum erlernten Kenntnisse kommen dann in einer Firma zum Einsatz, in der Sondermaschinen gebaut werden. Dort ist Isabel hauptsächlich in der Montage tätig.

Während der ersten zwei von insgesamt dreieinhalb Ausbildungsjahren hat man in der Lehre zum Mechatroniker noch viele Lehrgänge im Bildungszentrum der IHK; die eigentliche Ausbildungsfirma rückt in dieser Zeit eher in den Hintergrund. Nur etwa drei bis vier Wochen im Jahr sowie während der Ferien arbeitet man dort. Je weiter die Ausbildung aber fortschreitet, desto mehr ändert sich das Verhältnis zwischen Schule, IHK und Firma, sodass man mehr Zeit in seiner Firma verbringt und auch eigenständig aktiv wird.

Voraussetzungen…


Isabel ist Chefin über viele Relais. Foto: Polina Boyko

Technisches Interesse benennt Isabel als wichtigste Voraussetzung für die Ausbildung zur Mechatronikerin. „Man muss aber nicht besonders gut in Mathe oder Physik sein. Klar, ist das von Vorteil, aber die Lehrer in der Berufsschule versuchen alle mitzunehmen und sich an denen zu orientieren, die nicht sofort alles verstehen“, sagt sie.

Grundsätzlich kann man mit jedem Schulabschluss die Ausbildung machen. Isabel schätzt aber mindestens den Realschulabschluss als angemessen ein, da der Beruf des Mechatronikers sehr fordernd ist. Denn im Prinzip erlernt man gleich drei Berufe: „Das sind die Berufe Elektroniker, Informatiker und Mechaniker. Wir als Mechatroniker können Sachen mechanisch bearbeiten, also mit Schaltschränken arbeiten, aber auch Kabel ziehen“, erklärt die 20-Jährige, „programmieren lernen wir ebenfalls.“

In der Berufsschule warten dann, neben Grundfächern wie Deutsch, Wirtschaft und Sport, spezielle Lernfelder: „Du beginnst zum Beispiel damit, dass du verschiedene Werkstoffe kennenlernst. Was gibt’s für Stahlsorten? Was eignet sich wofür? Was habe ich hier gerade in der Hand und was kann ich damit machen? Pneumatik und Hydraulik sind ebenfalls ein wichtiger Teil. Du lernst Symbole und Kennzeichnungen zu lesen und wo du sie nachschlagen kannst“, nennt Isabel einige Beispiele aus der Praxis.

…und Zukunftsperspektiven

Den frischgebackenen Mechatronikern stehen viele Wege offen. Man kann nach der Ausbildung seinen Techniker – so etwas wie den Meister – machen. Dabei gibt es die Möglichkeit, sich in einem der drei Stränge (Elektronik, Informatik, Mechanik) zu spezialisieren. Außerdem kann ein Studium an die Ausbildung angeschlossen werden. „Maschinenbau ist da nicht das einzige, Elektrotechnik und Energietechnik sind ebenfalls durchaus mögliche Studienbereiche“, sagt Isabel.

Die Ausbildung und die Arbeit in ihrer Firma machen Isabel sehr viel Spaß. Bei der Wahl der Ausbildung war es ihr aber auch wichtig, einen Beruf zu lernen, in dem sie in Zukunft leicht Arbeit finden kann. Dadurch, dass immer mehr maschinell gemacht wird und sich in dem Bereich immer neue Möglichkeiten bieten, sei dies sehr gut möglich. .

Theorie und Praxis


Der Beruf Mechatroniker vereint drei Berufe: Elektriker, Mechaniker und Informatiker. Foto: Polina Boyko

Als Mechatronikerin geht sie einem Beruf nach, der sowohl auf der theoretischen als auch auf der praktischen Ebene angesiedelt ist. „Manchmal entwickeln unsere Konstrukteure etwas, das theoretisch super funktioniert und wir als Mechatroniker stehen dann in der Halle und brechen uns fast die Finger. Da weißt du dann: Das muss irgendwie anders gehen, da muss eine andere Lösung her“, berichtet Isabel von ihren Erfahrungen.

Wenn Isabel und ihre Kollegen einen Auftrag für eine neue Maschine bekommen, wird diese mithilfe von Konstrukteuren entwickelt und hergestellt. Anschließend wird die Maschine per LKW an den Kunden verschickt. Isabel und ihre Kollegen reisen dann hinterher, um sie vor Ort aufzubauen. Das Besondere am Sondermaschinenbau ist, dass sich die Konstruktion der Maschine an den Wünschen des Kunden orientiert. Da heißt es bei Konstruktion und Bau kreativ werden.

Ein Studium obendrauf

Isabel könnte nach der Ausbildung studieren: „Ich würde in Richtung Elektrotechnik gehen und dort dann später in die Forschung einsteigen. Ich finde es sehr interessant, was heute so möglich ist und wie sich das entwickelt hat“, führt sie ihre Überlegungen zu anschließenden Studienmöglichkeiten aus. „Ich fände es auch schön, etwas zu entwickeln, was dann für die Allgemeinheit nützlich ist.“

Ihre Ausbildung vorweg hält sie keineswegs für überflüssig: „Prinzipiell sehe ich mich im Vorteil, wenn ich erst später das Studium beginne, weil ich dann schon gewisse Vorkenntnisse mitbringe und praktische Erfahrungen habe“, erläutert Isabel ihre Motivation für die Ausbildung.

Die Henne im Korb?


Die Ausbildung zum Mechatroniker ist immer noch eine Männerdomäne. Foto: Polina Boyko

Wenn in der Berufsschule mal alle Auszubildenden auf einem Haufen sind, ist Isabel eine von vier Frauen unter etwa 60 Männern. Auch in ihrer Firma ist sie in der Halle die einzige Frau. Noch immer sind viele Berufe im technischen Bereich Männerdomänen, aber Isabel macht es nichts aus, dass ihre Mitschüler und Kollegen hauptsächlich männlich sind. „Ich bin viel mehr mit Jungs als mit Mädchen aufgewachsen und hatte wenige Probleme, mich zu integrieren. Klar gucken die Jungs darauf, was du so kannst und ob du zickig bist oder so. Außerdem sollte man nicht auf den Mund gefallen sein, sondern auch mal einen Spruch zurückfeuern können. Aber mittlerweile habe ich mir, auch durch meine Leistungen, Respekt unter meinen Kollegen verschafft.“

Die 20-jährige findet es erstrebenswert, dass mehr Frauen im technischen Bereich tätig sind und ausgebildet werden. „Das Arbeitsklima würde das keinesfalls negativ beeinflussen, es bereichert eher den Geist. Außerdem würde es den veralteten Rollenbildern entgegentreten“, sagt Isabel. Generell sollte einfach jeder in dem Bereich tätig sein können, in dem die eigenen Stärken und Interessen liegen, meint sie. Recht hat sie!