Der “Giraffenmann” vor dem Haupteingang bei ARTE. Foto: Victoria Scherff

  Jeden Tag Haute Cuisine, ein Arbeiten zwischen zwei Ländern und zwei Sprachen – und dazu jede Menge Filme. Victoria war zwei Monate für ein Praktikum beim Fernsehsender ARTE in Straßburg.

„Bonjour, ça va?“ „Gut und selbst, wie war dein Wochenende?“ Es ist der Beginn einer neuen Arbeitswoche beim deutsch-französischen Kultursender ARTE in Straßburg. Ich befinde mich mitten im gelebten Europa, zumindest sprachlich gesehen. Nicht umsonst bezeichnet sich Straßburg selbst als „Hauptstadt Europas“. Vorbei an meiner Lieblingsgiraffe, dem homme girafe, einer Statue vor dem Gebäude, geht’s zu meinem Arbeitsplatz: der Spielfilmredaktion von ARTE.

Français, Allemand oder doch Französisch?

Mein Büro teile ich mir mit einer netten Kollegin aus Marseille, so dass meine Französischkenntnisse nicht einrosten – denn obwohl ARTE seinen Sitz in Straßburg hat, wird hier viel Deutsch gesprochen. Alle Mitarbeiter hier sprechen beide Sprachen. Bei internen Sitzungen wechselt das Gespräch dann auch ständig von französisch auf deutsch und umgekehrt. Ganz selbstverständlich fließen und vermischen sich die Sprachen dabei. Ein Traum für jeden Linguisten oder Gesprächsanalytiker und für mich höchst spannend zu verfolgen!

Bizarr war es, als ich das erste Mal in einer Sitzung war, in der Dolmetscher das Geschehen ins Deutsche und ins Französische übersetzten, weil auch Leute von außerhalb an der Sitzung teilnahmen. ARTE ist eben ein zweisprachiger Sender, in dem alle die Chance haben müssen, die Meetings zu verfolgen.

Filme, Filme, Filme

Doch was treibe ich nun in der Spielfilmredaktion? Ich schaue jede Menge Filme. Aber nicht nur das: Ich schreibe Pressetexte, lektoriere Drehbücher und korrigiere Untertitel. Diese praktische Erfahrung passt zu meinem Studium der Medien, Kommunikation und Kultur wie die Faust aufs Auge, zumal ich in Nizza studiert habe und sprachlich mithalten kann. Und dann diese Kantine, die eigentlich keine Kantine ist, sondern ein Restaurant à la haute cuisine – und das täglich! Kein Wunder, dass die rund vierzig Praktikanten, die im gesamten Haus verteilt sind, ARTE mit ein paar Kilos mehr auf den Rippen verlassen…


Das Europäische Parlament immer in Sichtweite von Victorias Arbeitsplatz. Foto: Victoria Scherff

Europäischer Exkurs

Von meinem Arbeitsplatz einen Katzensprung entfernt befindet sich das Europäische Parlament. Beide Institutionen sind wunderschön gelegen an der l’Ille, einem Fluß. Einmal im Monat wird man Zeuge eines „Wanderzirkus“. Dann begeben sich rund 800 Abgeordnete plus Mitarbeiter für Plenarsitzungen von Brüssel nach Straßburg, dem offiziellen Sitz des EU-Parlaments. Während dieser Woche freuen sich die örtlichen Hotels, Restaurants und Cafés und erhöhen ordentlich die Preise. Aufs Jahr gerechnet verschlingt die Pendelei 200 Millionen Euro Steuergelder. Im November 2013 gab es einen Vorstoß der Parlamentarier dies zu ändern. Doch vorerst wird weiter fröhlich gereist – die Franzosen wollen auf einen französischen EU-Sitz nicht verzichten.

Bin mal eben in Deutschland

Mit einem der örtlichen Leihfahrräder velhop bin ich innerhalb von fünf Minuten im Büro – für mich als Berlinerin ein Traum (in Berlin gilt 20 Minuten mit dem Rad als flott). Ein bisschen länger dauert es, um „über die Grenze“ zu kommen. Hop, rüber über den Rhein, dann ist man im deutschen Kehl. Für mich war es unwirklich, vom Rad zu steigen und auf einmal sprechen alle wieder deutsch auf der Straße. Doch auch viele Franzosen tummeln sich in dem kleinen Grenzstädtchen – die deutschen Lebensmittelpreise sind einfach unschlagbar.


Die deutsche Sprache gehört in das Stadtbild vom Straßburg. Foto: Victoria Scherff

„Mir rede Elsassisch“

„Hä, das ist aber ein komisches Deutsch“, höre ich einige deutsche Touristen sagen, die sich während der Valentinswoche durch die Straßburger Altstadt schieben. Das ist elsässisch, und in der Tat ein alemannisch-fränkischer Dialekt, der überwiegend noch von älteren Bewohnern im Elsass gesprochen wird. Im täglichen Straßenbild von Strossburi, so Straßburg auf elsässisch, gibt es da dann etwa das „Sandplätzel“, die „Saifegässel“ oder die „Schriwerstubgass“.

Die zwei Monate vergingen wie im Flug. Bei meinem Praktikum habe ich so viele neue Eindrücke gesammelt, mein Filmwissen unglaublich erweitern können und ja, etwas schwerer, verlasse ich Straßburg auch.

Neuen Kommentar schreiben

At_osphär_: