Wer mit Essen lediglich Atze Schröder, schwarze Rußwolken und graue Betonbauten assoziiert, wird 2010 eines Besseren belehrt. Stellvertretend für das Ruhrgebiet zeigt die Ruhrmetropole, dass sie kulturell weit mehr zu bieten hat als prollige Dauerwellenträger.
„Hömma, mama nomma paar Pilskes feddich.“
Der „Ruhrpott“ – Dialekt ist wirklich eine Sprache für sich und erfreut immer wieder Besucher aus aller Welt.
Um am Wochenende auf Schalke oder beim Stammtisch in der Kneipe auch als Nicht-Ruhri mitreden zu können, muss man nur ein paar simple Regeln beachten. Prinzipiell legt der Ruhrpottler wenig Wert auf grammatikalische Richtigkeit. Gern werden auch Wörter verkürzt. So kommt man in der Pommesbude schneller an die Currywurst: „Mamma eima Pommes-Currywurst mit alles“
Die Buchstaben „s“ in den Wörtern „was“ und „das“ sowie ihren Varianten werden außerdem durch ein „t“ ersetzt: „Wat willst du?“ Und der Akkusativ wird als Hervorhebung benutzt „Der Mannie isn ganz Lieben“
Der Nabel von NRW
Von A nach B? Kein Problem im Pott., Foto: Dieter Schütz, pixelio.de
Irgendwann hat man die Angebote in seiner Heimatstadt satt – wie gut, wenn man umzingelt ist von interessanten Städten, die vor Spannendem nur so sprudeln.
Essen liegt im Zentrum des Ruhrgebiets und größtenteils nördlich der Ruhr. Dank einer wirklich tollen Infrastruktur ist es normal, von dort aus mal eben einen Abstecher zum Shoppen in die Bochumer Kortumstraße zu machen, anschließend den Movie Park in Bottrop zu besuchen und sich abends in Oberhausen beim „Tanz der Vampire“ zu gruseln. Also: Immer genug Geld für Bus und Bahn dabei haben!
Wo Krupp auf Kandinsky trifft
Neben zahlreichen Museen, Galerien und anderen Ausstellungsorten ist auch die Villa Hügel einen Besuch wert.
Die pompöse Villa liegt in Essen-Bredeney und ist das ehemalige Wohnhaus der Industriellen-Familie Krupp. Seit 1953 finden dort regelmäßig Kunstausstellungen von internationalen Künstlern statt. Aber auch kulturelle Erbstücke, wie die Schätze tibetischer Klöster, konnte ich dort bereits zu angemessenen Eintrittspreisen bestaunen. Auch außerhalb der Ausstellungszeiten kann man die historischen Wohnräume der Familie Krupp inklusive riesiger Bibliothek, den weitläufigen Park und die historische Ausstellung Krupp besichtigen.
Aber auch rund um die Städte des Ruhrgebiets wird einiges an Bau- und Lichtkunst geboten, wie zum Beispiel beim internationalen Lichtkunstfestival „Ruhrlights“.
Koks und Kohle als Kulturgut
Mit dem Gruß “Glückauf” wurde früher in den Stollen eingefahren., Foto: RUHR.2010
Seit dem 19.Jahrhundert wurde im Ruhrgebiet Kohle abgebaut. Den vielen Zechen verdankt das Ruhrgebiet sowohl ein besonderes Landschaftsbild, als auch den Namen Kohlenpott, Ruhrpott oder einfach Pott – von Pütt für Bergwerk.
Insgesamt soll es im Ruhrpott etwa 3.200 einzelne Zechen gegeben haben. Seit Beginn der Kohlekrise in den 60er Jahren befindet sich das Ruhrgebiet im Strukturwandel. 2009 gab es im Ruhrgebiet nur noch vier fördernde Bergwerke. Heutzutage kann man seine Wäsche also wieder beruhigt draußen aufhängen, ohne Angst vor gelb verfärbten Laken haben zu müssen- eine Erfahrung, die meine Uroma noch machen musste.
Einige ehemalige Zechengelände, wie die Zeche Zollverein, werden mittlerweile als Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse genutzt.
Prösterken!
Das goldene U der Unionsbrauerei in Dortmund., Foto: Mathias Bigge
Was wäre das Revier ohne ein ordentliches Pils?! Im Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen wird nach wie vor traditionell Bier getrunken.
Zu vielen Tageszeiten sieht man Pils und Alt trinkende Menschen durch die Straßen flanieren oder in unzähligen Gaststätten, Kneipen und Bierlokalen handgebraute Bierspezialitäten genießen. Und da Bier und Fußball für manchen Fan Hand in Hand gehen, wird auch auf Schalke das ein oder andere Bierchen an einem sonnigen Fußballtag gezischt.
Wir wissen, wie man feiert!
Global Player Party bei der RUHR.2010 Eröffnung, Foto: Niko Synnatschke
Im Ruhrgebiet wird gern gefeiert, und das nicht erst seit 2010. Bei rund 5 Millionen Einwohnern aus über 170 Nationen in 53 Städten ist das Angebot entsprechend riesig.
Ob eine große Party auf einem alten Zechengelände, ein lauschiges Konzert in einem Kulturhaus oder eine Party in einem der großen und kleinen Clubs: Das Nachtleben hier hat einiges zu bieten. Neben der „Loveparade“, die seit 2007 für einen Zeitraum von fünf Jahren ins Ruhrgebiet gezogen ist und jährlich Millionen Tanzwütige in die Gegend lockt, fiebern meine Freunde und ich jedes Jahr dem „Bochum-Total“ entgegen, einem bunt gemischten Fest mit viel Musik, Bier und natürlich schrägen Leuten aus der Umgebung.


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