Datenschutz dient dazu, Nutzer vor kriminellen Machenschaften zu beschützen. Doch gleichzeitig deckt er Täter, die sich hinter ihm verstecken. Julia und Christoph haben unterschiedliche Meinungen zu dem Thema:

Julia: Pro

„Big Brother is watching you“ – Die Bedeutung des Datenschutzes steigt besonders in Zeiten des Internets deutlich an. Nie war die Datenerfassung, die Weitergabe und somit auch der Datenmissbrauch einfacher. Das Interesse an personenbezogenen Informationen wächst sowohl im staatlichen, als auch im privaten Bereich. Unternehmensgiganten scheuen keine Kosten, Daten zu sammeln und zu speichern, um sie später für Werbezwecke einzusetzen. Deshalb sollten wir uns das Recht darauf bewahren, wer, wann, welche Informationen über uns bekommt. Sei es der Wohnort, die Einkaufsliste, die Kontodaten oder die Inhalte meiner E-Mails.

Vielleicht sehen die meisten nichts Schlimmes darin, Werbung mit persönlicher Anrede im Briefkasten zu haben. Wird jedoch das Bankkonto von Datendieben geplündert, sieht das alles schon ganz anders aus.

Ohne Datenschutz kann es sogar soweit kommen, dass ganze Identitäten gestohlen werden. Datendiebe nutzen einfach den Namen, den Beruf und das Geburtsdatum und können dann ungehindert Waren bestellen – natürlich auf meine Kosten und mittels meiner Identität. Und wenn sie schon mit diesen wenigen Informationen so viel Schaden anrichten können, was passiert erst, wenn Kriminelle meine Steuernummer oder Fotos für sich gebrauchen?

Durch Programme wie Google Streetview wird unser Leben immer transparenter und für jeden sichtbar. Die Privatsphäre ist ein sehr kostbares Gut geworden. Weder unser Wohnort, noch unsere Lebensgewohnheiten bleiben unbekannt. Schreibe ich eine E-Mail an meine Freundin, wann wir uns denn wieder zum Schwimmen treffen, habe ich prompt eine Anzeige für Bademoden daneben.

Ohne ausreichenden Datenschutz könnten sämtliche Information, wie Krankengeschichte, Einkommen oder politische Einstellung, von jedem bezogen werden, der sich dafür interessiert. Wir wären perfekte Opfer für Diebstähle, Stalking und andere Missbräuche. In diesem Fall könnte man auch gleich Protokoll über sein Leben führen und an die komplette Weltbevölkerung verschicken.

Datenschutz ist wichtig, um die eigene Privatsphäre zu bewahren und Missbräuchen vorzubeugen. Datenschutz, vor allem auf das Medium Internet bezogen, sollte verstärkt ausgebaut werden, da es noch zu große Sicherheitslücken und Platz für Kriminalität gibt.

Christoph: Contra

Donnerstag, 8. September 2011, Berlin-Wedding: Polizisten verhaften zwei Terrorverdächtige, die einen Bombenanschlag in der Hauptstadt geplant hatten. Unmittelbar danach bringt die Regierung mal wieder stärkere Kontrollen ins Spiel und wie so oft hallt ihr lautstarke Kritik von allen Seiten entgegen. Aber dass die Berliner Ermittler die beiden Verdächtigen nur dingfest machen konnten, weil sie sie über Wochen hinweg ausspioniert und massiv in deren Privatsphäre eingegriffen haben, übersehen die Kritiker aber gern. Bei ihnen heißt es eher: „Sicherheit? Auf alle Fälle! – Stärkere Überwachungen? Bloß nicht!“ Widersprüchlicher geht es doch kaum.

Natürlich ist der Datenschutz eine wichtige Angelegenheit, aber was ist der Preis, den wir alle dafür zahlen? Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Polizei die Verdächtigen nicht so intensiv hätte observieren dürfen. Zum Glück ist dieses Mal noch alles glatt gegangen. Hätte, wenn, und aber interessiert danach meistens niemanden mehr.

Dabei ist dies kein Einzelfall: In der Vergangenheit konnte die Polizei durch eine verschärfte Überwachung bereits Anschläge hierzulande verhindern. Umgekehrt profitieren doch auch Verbrecher von einem strengeren Datenschutz. Es kann aber nicht sinnvoll sein, der Polizei ihre Ermittlungen unnötig zu erschweren, indem Kinderporno-Ringe, organisierte Kriminalität oder besagte Terroristen von einem besseren Schutz ihrer Privatsphäre einen erheblichen Nutzen ziehen. Über den lockeren Datenschutz von Unternehmen wie Facebook oder Google geht ja auch kaum jemand auf die Barrikaden. Dabei ist doch bekannt, dass beide Internet-Riesen gigantische Datensammelmaschinen sind: Nutzerdaten werden für Werbezwecke missbraucht. Das setzt der ganzen Debatte doch die Krone auf!

Wer bei einer Lockerung des Datenschutzes auf einen entstehenden Überwachungsstaat hinweist, schießt weit über das Ziel hinaus. Die jüngere Geschichte hat uns ja bereits unmittelbar gezeigt, wohin so etwas führen kann: Die DDR erlebte 1989 ihr Ende, Stasi-Anhänger werden bis heute öffentlich bloßgestellt. So etwas wird uns wohl nie wieder passieren! Abgesehen davon erscheint mir, in einer demokratisch dermaßen gefestigten Nation wie Deutschland, ein Überwachungsstaat extrem unwahrscheinlich.

Insgesamt ist es mir also lieber, dass der Staat seine Nase etwas tiefer in mein Privatleben steckt als unbedingt notwendig, solange dadurch schreckliche Verbrechen verhindert werden können.

Teaserfoto: www.jenpix.de / pixelio.de