
Ob Paprika, Fleisch oder Milch – oft kosten Bioprodukte einiges mehr als konventionelle. Doch ist das gerechtfertigt? Steht auf den oft grünen Verpackungen nur Bio drauf oder ist auch Bio drin? Schekker-Autorinnen Fabienne und Lisa erörtern die Argumente für und gegen Biolebensmittel.
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Pro: Fabienne Schon von Kindesbeinen an esse ich biologisch. Doch erst viel später lernte ich, was „Bio“ eigentlich bedeutet: Ökologischer Anbau, artgerechte Tierhaltung und Respekt gegenüber der Natur. Bis heute ziehe ich Bio-Lebensmittel Konventionellem vor. Bio-Lebensmittel sind gesünder, weil sie keine Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und künstliche Aromen enthalten. Außerdem sind sie frei von Pestiziden. Bei einer Studie von Greenpeace aus dem Jahr 2005 wurden Proben von acht frischen Lebensmitteln aus konventionellem Anbau geprüft. 71 Prozent der Produkte enthielten Pestizide, oft sogar in einer gesundheitsschädigenden Menge. Skeptiker würden einwerfen, dass sich Bio-Felder auch neben normalen Feldern befänden und deshalb nicht von Pestiziden verschont blieben. Das ist allerdings kein Argument, um konventionell angebautes Gemüse auf eine Stufe mit Bio-Gemüse zu stellen. Der Unterschied ist nämlich deutlich messbar. Das jährliche Ökomonitoring Baden-Württemberg hat kürzlich festgestellt, dass in konventionellem Gemüse durchschnittlich 0,1 Milligramm mehr Pestizide als in Öko-Gemüse enthalten sind. Konventionelle Lebensmittel werden zudem oftmals durch Gentechnik manipuliert – ein Eingriff in die Natur, der das biologische Gleichgewicht stört. Zu dem gesundheitlichen Aspekt der Bio-Lebensmittel kommt damit auch der nachhaltige. Es wird großer Wert auf natürliches Pflanzenwachstum und auf eine umweltschonende Herstellung gelegt. Auch in der artgerechten Tierhaltung schneidet Bio besser ab als Konventionell. Obwohl es auch bei Bio-Bauernhöfen noch viele Verbesserungsmöglich-keiten gibt, geht es den Tieren dort um einiges besser als in Massentierhaltungsbetrieben. Für viele Leute ist der höhere Preis der biologischen Lebensmittel ein Grund, sie zu meiden. Dabei gilt es aber zu bedenken, dass qualitativ hochwertige Produkte in der Herstellung zeitaufwendiger und kostenintensiver sind. In der Bio-Landwirtschaft liegt zum Beispiel ein Feld für etwa ein halbes Jahr brach, damit die Erde genügend Zeit hat, sich wieder zu erholen. Nur so kann nährstoffreiches Gemüse produziert werden. Über 40 wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass Bio-Lebens-mittel einen höheren Anteil an Vitamin C, Magnesium, Phosphor und Eisen enthalten. Bleibt noch die Frage: Ist dort, wo Bio draufsteht, auch wirklich Bio drin? Das ist nicht unberechtigt, weshalb es genau hinzugucken gilt: Seit 2001 gibt es das sechseckige Biosiegel, durch das „echte“ Bioware gekennzeichnet wird. |
Contra: Lisa Bio boomt: In allen Supermarktregalen blitzen die meist grünen Verpackungen mit den drei fettgedruckten Buchstaben hervor. Und das wirkt: Wenn man dann als Normalo nur mit der Packung Eier aus Bodenhaltung an die Kasse geht, dann schlägt schon mal das schlechte Gewissen Alarm. Der Geldbeutel aber beschwert sich nicht, denn die konventionelle Ware ist deutlich günstiger als die Biolebensmittel. Für den Liter Biomilch müssen 23% mehr bezahlt werden, bei 250 Gramm Rosinen beträgt der Aufpreis für die Ökovariante sogar 95 Prozent. Zu diesem enormen Preisunterschied kommt hinzu, dass es für mich keine geschmack-lichen Unterschiede gibt. Mir ist wichtig, dass ich weiß, was ich esse. Und da bin ich mir bei konventionellem Essen sicher: Hier steckt drin, was drauf steht. Wer lesen kann, der weiß ergo, was er in seinen Einkaufswagen packt. Außerdem wird die 2011 eingeführte Lebensmittel-informationsverordnung der EU zur verschärften Kennzeichnung aller Lebensmittel bis 2016 flächendeckend angewendet. Dennoch soll bei der Ökoproduktion besser kontrolliert werden? Dagegen sprechen falsch deklarierte Bio-Eier oder auch der EHEC-Virus, den man auch in Bio-Sprossen fand. Anscheinend gibt es auch hier Lücken. Ebenso scheint die idyllische Vorstellung eines Biohofs, auf dem sich Kühe und Schweine auf Wiesen austoben können, nur wenig mit der Realität zu tun zu haben. Dem Bioschwein stehen zwar rechtlich rund ein Quadratmeter mehr Platz im Stall zu, doch auch zwei Quadratmeter sind noch zu klein, um Liege-, Futter- und Kotplätze sauber zu trennen. Auch der Freilauf muss nicht auf einer grünen Wiese sein. Dem Tier muss nur ein kleiner Auslauf mit befestigtem Boden zur Verfügung stehen. Ein weiterer Nachteil ist, dass für die Öko-Landwirtschaft viel Fläche benötigt wird. Ende 2012 waren das beachtliche 1.034.355 Hektar. Da stellt sich die Frage, welche Wiesen und Wälder noch für die Ökohöfe weichen müssen, die nur so aus dem Boden sprießen. Und auch beim Handel mit Bioprodukten gibt es eine Schattenseite: Es wird immer mehr importiert. Beispielsweise ist das Hauptlieferland für Bio-Kartoffeln Ägypten. Fragt sich nur, was die Umwelt dazu sagt, wenn diese Nahrungsmittel dort angebaut und dann gut verpackt nach Deutschland transportiert werden müssen. Da soll mal einer sagen, dass Bio automatisch umweltbewusst ist! Mein Fazit: Nur weil Bio drauf steht, haben diese Produkte nicht automatisch den Heiligenschein der umweltbewussten Generation verdient. Und schon gar nicht den für den kleinen Geldbeutel. |






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